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Grabkammer, du mein Brautgemach!

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Schon Antigone wusste, dass ein Leben als Braut kein Zuckerschlecken ist. Aber bei Sophokles war die Braut Sinnbild von Aufrichtigkeit und ethische Vollkommenheit.

2250 Jahre später ging es den Bräuten zwar immer noch an den Kragen und auch die Last der Moral legte man weiterhin auf ihre zarten Schultern, doch nun sind es ihre Fehltritte vom Pfad der bürgerlichen Tugenden, die Angst und Schrecken bringen.

Das jedenfalls ergab sich mir bei der Lektüre des Gespensterbuches, Band 1 der Neuausgabe: Von Freischütz bis Zauberlied wieder herausgegeben von Felix Woitkowski.

Gespensterbuch-1_cover_web

Das Gespensterbuch Band 1, Cover: Mark Freier

Die original sieben Bändchen wurden ab 1810 von August Apel und Friedrich August Schulze herausgegeben und sind ein heute fast vergessener Klassiker, obwohl es als Vorlage für so berühmte Werke wie Der Freischütz, Frankenstein und Dracula diente.

Felix Woitkowski hat sich für den Blitz-Verlag die Arbeit gemacht, die alten Bücher für eine dreibändige Neuausgabe aufzubereiten. Diese Liebhaber-Edition gibt es aber nur direkt beim Verlag und ich konnte nicht widerstehen, Felix um ein Rezensionsexemplar anzuflehen.

Er war gnädig und deshalb weiß ich nun mehr über das schröckliche Leben der Bräute vor 200 Jahren.

Es hat mich tatsächlich überrascht, dass es in fast allen Geschichten irgendwie immer ums Heiraten ging. Als junges, bürgerliches Mädchen war der Zug schnell abgefahren. Es galt, eine gute Partie zu machen um wirtschaftlich, aber vor allem auch gesellschaftlich auf der Sonnenseite zu stehen. Die Abhängigkeit von Männern war total. Napoleon zementierte das in seinem Code Civil. Kein Wunder also, dass man Wert darauf legte, dass die feinen Bürgertöchter gehorsam und brav den ihnen vom Vater vorbestimmen Weg gingen und auch dem Gatten eine treue und gehorsame Ehefrau blieben. Abschreckung half bei der Erziehung ungemein und vermutlich deshalb ist das Gespensterbuch so voll mit schlimmen Dingen, die sich aus Ungehorsamkeit und wankelmütiger Treue ergeben.

Vergnügliche Geschichten sind es trotzdem, wenn auch der Gruselfaktor abgenommen hat und mir kein schauriges Kribbeln den Rücken herunterrieselte.

Etwas ausführlicher hab ich mich mit den einzelnen Geschichten in der Rezi befasst: Das Gespensterbuch hrsg. von August Apel und Friedrich Laun.

Wer also etwas tiefer in die Ursprünge der deutschen Schauerliteratur einsteigen möchte und vielleicht etwas von dem Flair atmen möchte, das Byron und Mary Shelley am Genfer See umwehte, kann nun auf eine hübsche Taschenbuchausgabe zurückgreifen.

Und heiratet euch trotzdem. Liebe ist stärker!

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