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Deutschlands Eier

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Manche literarischen Einfälle erhalten im Nachhinein ganz erstaunliche Untertöne.
So stammen Die verfluchten Eier in Michael Bulgakows SF-Satire aus dem Jahre 1925 in der Tat aus Deutschland. Millionen Russen sterben an den Folgen.

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Die verfluchten Eier von Michael Bulgakow

Das dürfte Bulgakov nicht geahnt haben. Dafür aber hat er eine ganze Menge anderer Dinge mit aufmerksamen Augen betrachtet und mit beißendem Spott in seinen kleinen Roman eingearbeitet.
Eigentlich geht es um typische Themen der Science Fiction. Eine wissenschaftliche Erfindung wird von skrupellosen Menschen missbraucht und schlimme Dinge geschehen. Dabei sollten in der jungen SU nur gute Dinge geschehen. Bulgakov sah das irgendwie klarer. Der Weg zum Berufsverbot war früh eingeschlagen.
Genial wird das Buch aber erst dadurch, dass Bulgakov es ganz im modernen literarischen Zeitgeist als unbändige expressionistische Experimentierwiese begriff und sich mit so viel Kraft austobte, dass man die Elektrizität seiner Gedanken förmlich zwischen den Seiten knistern sieht.
Sprache wie Wachs zu handhaben ist keine Kleinigkeit, das weiß der Vers und Leid geprüfte Dichter.

Natürlich macht so eine Lektüre noch mehr Spaß, wenn man sich nach der Lektüre noch in Anmerkungen und einem Nachwort wälzen kann, in denen es vor klugen Hinweisen und Hintergründen nur so wimmelt.
Alexander Nitzberg bewies erneut, wie tief verbunden er der russischen Sprache und Literatur ist.
Eine Entscheidung allerdings konnte ich nicht nachvollziehen. So machte er aus dem deutschen Tagesblatt die New York Times und ließ den entsprechenden Reporter auch englisch sprechen, in einer so seltsamen, lautmalerischen Schreibweise, dass ich das Excuse me ewig nicht erkannte. Aber ohne seinen eigenen Hinweis wäre mir das nie aufgefallen. Vermutlich wollte Nitzberg das Ausländische an diesem Telefonat betonen. Witzig blieb es trotzdem.

Also: Großartiges Buch, tolle Edition und ein weiterer ganz und gar phantastischer Bulgakow: Die verfluchten Eier von Michail Bulgakow

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