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Jahresrückblick 2015

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Erstaunliche 55 Bücher sind es gewesen, die ich 2015 verschlang. Zu fast allen schrieb ich auch eine Rezension. Obwohl ich ja immer behaupte, die gesamte Phantastik abzugrasen, gab es ein großes Ungleichgewicht. Neben zwei Horror-Werken und zehn Fantasy-Werken belegt die Science-Fiction den ersten Platz mit 30 Büchern, wobei man bei etlichen Werken um die Einordnung streiten kann. Hinzu kamen ein Sachbuch, drei biographische Texte sowie neun Klassiker.

Weiterhin eher schlecht ist das Verhältnis von Autorinnen zu Autoren, hier steht eine vierfache Überzahl den zehn Frauen gegenüber, mal ohne die Anthologien gezählt.

Wenn ich über die Liste schaue, gibt es doch erstaunlich viele Werke, die mir mit Freuden im Gedächtnis bleiben werden.
Vor allem natürlich der erste Band von Mark Twains geheimer Autobiographie, deren zweiten Band mir meine Anfang Dezember verstorbene Schwiegermutter bereits für den Weihnachtsmann besorgt hatte und den ich jetzt natürlich in ihrem Gedenken lesen werde.
Twain ist ein grandioser Erzähler, der in einem Satz charmant und bitterböse sein kann und sich nie scheute, selbstironisch sein eigenes Ego aufs Korn zu nehmen. Die wild durcheinander gewürfelten Erinnerungen stecken voller Episoden, lustigen wie traurigen.

Zu den überragenden Werken gehört auch die Neuausgabe des Fabian von Erich KästnerDer Gang vor die Hunde ist ein beklemmendes Dokument über Deutschland vor der Wahl Hitlers.
Passend dazu folgte später im Jahr mein erster Hesse, Der Steppenwolf, ist nicht so direkt und entblößend, aber auch hier blickt man in das wabernde Schwären einer dunklen Epoche.

Stolz bin ich dass ich endlich die Amanda von Irmtraud Morgner las. Das Buch ist es wert, aus dem Sumpf der DDR-Literatur herausgeholt zu werden. Neben den politischen und feministischen Tänzen, zu denen Irmtraud Morgner aufspielt, erfährt man viel über die 70er Jahre. Was im Prinzip auch zu George R. R. Martins Armageddon Rock passt. Beide Romane stammen aus dem Jahr 1983 und nutzen einen Teufelspakt um ihre Figuren auf Trab zu bringen.

Die SF spielte eine große Rolle in meinem Lesejahr. Dietmar Dath überzeugte mich mit seinen beiden Werken, wobei Venus siegt! der spannendere SF-Roman ist, weil mir hier ein cooles Konzept, nämlich die Übertragung der russischen Revolution auf eine zukünftige Gesellschaft sehr imponierte und Daths Leidenschaft für komplexe Verbindungen zu Kunst und Wissenschaft bunte Blüten treibt. Deutsche Demokratische Rechnung ist mehr eine Innensicht auf ultralinke Gruppen und der SF-Anteil eher intellektuell injiziert.
Viel Spaß hatte ich an Guido Krains neuer Space Opera O.R.I.O.N. – hier gibt es sehr lustige und interessante Figuren, jede Menge Sex und Humor und ich hoffe sehr, dass die Reihe nicht ähnlich versandet wie D9E.
Hocherfreut war ich auch über die Veröffentlichung der Toten Helden von jon, da ich das Entstehen des Romans in der Leselupe mitverfolgen konnte und mir Figuren und Probleme ans Herz gewachsen sind.
Natürlich habe ich auch den Marsianer von Andy Weir gelesen. Sehr fluffige Oldschool-SF mit starkem Ingenieur im Zentrum und positiver Botschaft. Hat man ja nicht oft.
Quasi ganz das Gegenteil dazu ist Joanna Russ böse Utopie Eine Weile entfernt, die schonungslos mit Macho-Kulturen und Gleichberechtigungsausreden aufräumt. Auf Russ bin ich über die James Tiptree Biographie gestoßen und bin froh, endlich etwas von ihr gelesen zu haben. Hochinteressante Frau mit sehr spitzen Fingern in eiternden Wunden.

In der Fantasy kam mir letztes Jahr eigentlich nur Urban-Fantasy unter, die vor allem durch humorvolle Erzählweisen und Spaß am Genremischen auffielen. Bücher die man gern zwischendurch liest, wenn man die Synapsen auf intelligente und entspannende Weise putzen möchte. Ich kann alle drei nennen: Simon Weinerts Tassilo, der Mumienabrichter, Steve Bürks Die unwahrscheinliche Erleuchtung des Kiffers Felix B und Dieter Wischnewskis Pudel, Nerd und Nymphe.

Für mich ein gutes Jahr, ich bastle demnächst noch meine KLP-Vorschläge zusammen. Bei den Kurzgeschichten muss ich erst mein Gedächtnis auffrischen, die beiden besten Sammlungen, die ich 2015 las, David I. MassonAn den Grenzen der Zeit und Thomas Adam Sieber – Äquatorstraße, sind leider zu alt.

Da der Beitrag eh schon lang ist, pack ich die Liste einfach noch hintendran. Möge 2016 ähnlich buchaffin werden!

Irmtraud Morgner – Amanda. Ein Hexenroman
George R. R. Martin – Armageddon Rock
Matthias Falke – Der Terraformer
Mathias Malzieu – Die Mechanik des Herzens
Niklas Peinicke – Die Seelen der blauen Aschen
Erich Kästner – Fabian
Simone de Beauvoir – Alle Menschen sind sterblich
Uwe Post – Sterne in Asche
Thomas Pynchon – Bleeding Edge
Ann Leckie – Die Maschinen
Funken der Unendlichkeit hrsg. Bionda & Krain
Matthias Falke – Agenten der Hondh
Hardy Kettlitz – Die Hugo Awards 1953 – 1984
Daniela Rohr – Im Turm des Panopticons
Dietmar Dath – Venus siegt!
Mark Twain – Geheime Autobiographie 1
Tiefraumphasen
Holger M. Pohl – Arkland
Leif Randt – Planet Magnon
Anatole Broyard – Verrückt nach Kafka
C. L. Moore – Jirel die Amazone
Dietmar Dath – Deutsche Demokratische Rechnung
Guido Krain – Der brennende Rabe
Markus K. Korb – Amerikkan Gotik
Andy Weir – Der Marsianer
Axel Kruse – Glühsterne
Holger M. Pohl – Fünf für die Freiheit
Nova 23
Joanna Russ – Eine Weile entfernt
Simon Weinert – Tassilo, der Mumienabrichter
P. G. Wodehouse – Der unvergleichliche Jeeves
Thomas Hardy – Am grünen Rand der Welt
Joe Haldeman – Marsbound
William Shakespeare – König Lear
George Eliot – Middlemarch
Stephanie Schnee – Der Schuppenmann
Thomas Adam Sieber – Äquatorstraße
jon – Tote Helden
Eudora Welty – Der Räuberbräutigam
Dirk van den Boom – Tentakelfürst
Dirk van den Boom – Der sensationelle Gonwik
Ernst Vlcek – Gib mir Menschen
Hermann Hesse – Steppenwolf
Kenneth Grahame – The Wind in the Willows
Felix Woitkowski – Rattensang
David I. Masson – An den Grenzen der Zeit
Sasha Abramsky – Das Haus der zwanzigtausend Bücher
Guido Krain – Das Herz des Kriegers
Henry James – Daisy Miller
Herbert Rosendorfer – Briefe in die chinesische Vergangenheit
Steve Bürk – Die unwahrscheinliche Erleuchtung des Kiffers Felix B.
Krachkultur 17/2015
Thomas Ziegler – Stimmen der Nacht
Matthias Falke – Kampf mit den Tloxi
Dieter Wischnewski – Pudel, Nerd und Nymphe


7 Kommentare

  1. Eine schöne Liste. Erstaunlich viele deutsche Autorinnen und Autoren. Bei mir sind nur 11 Bücher in deutscher Sprache verfassst worden. Von insgesamt 69 Büchern, die ich 2015 geschaft habe. 16 mehr als im letzten Jahr, davon viele mit über 500 Seiten, dazu noch einige angefangene, aber noch nicht beendete Titel.

    16 Frauen
    16 SF
    10 Fantasy
    9 Horror
    16 Krimi/Thriller
    13 Belletristik

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  2. Frank Duwald sagt:

    Respekt! Tolle Liste. Da sind wirklich klasse Sachen bei.

    Gefällt 1 Person

  3. […] nackten Zahlen lügen nicht, ich hab erneut mehr gelesen als im Vorjahr: 58 Bücher insgesamt, 13 von Frauen, 43 von Männern verfasst, ohne Berücksichtigung der […]

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