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Briefe aus dem Vorgestern

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Im SF-Fan Forum startete Ender von sf-Lit die Suche nach den besten deutschsprachigen Science-Fiction Romanen. Das finde ich immer ganz spannend, vor allem weil es doch oft recht BRD-lastig zugeht und ich da gerne auf gesamtdeutsche Kontinuität bestehe.
Die es natürlich so nicht gibt.

Jedenfalls werden bei solchen Nachfragen doch meist dieselben paar Bücher genannt, so groß ist die Meisterklasse offenbar nicht. Darunter immer wieder ein als Geheimtipp gehandeltes Werk: Briefe in die chinesische Vergangenheit von Herbert Rosendorfer.

Briefe in die chinesische Vergangenheit von Herbert Rosendorfer

Briefe in die chinesische Vergangenheit von Herbert Rosendorfer

Rosendorfer verursacht Augenleuchten bei Literaturbegeisterten, die ihre Wurzeln in der alten Bundesrepublik haben und darum ging ich dem jetzt einmal nach und las die Briefe in die chinesische Vergangenheit.

Die Idee ist cool. Ein cinesischer Beamter und Dichter kommt vor tausend Jahren auf die Idee zusammen mit seinem Kumpel eine Zeitreisemaschine zu basteln. Es verschlägt ihn aber nicht in die Zukunft der alten Kaiserstadt sondern nach München und es dauert eine Weile, bis er das realisiert. Über seine Abenteuer berichtet er seinem Freund mittels jener Briefe, die wir lesen, und die er mit Spezialpapier an einem Kontaktpunkt abschickt und dort auch Antworten erhält, die leider nicht zu lesen sind.

In den Briefen lässt er sich nach und nach über die Welt des Jahres 1985 aus, so wie sie sich ihm darstellt. Rosendorfer erlaubt ihm, über alles mögliche zu lästern, von Umweltverschmutzung über Essen und Fortschrittsgläubigkeit bis hin zu Kultur und Glaube. Es ist die Zeit des Kalten Krieges, Untergangsstimmung dank Atomwaffenwettrüsten und Saurem Regen und es ist die Ära Kohl.
Das alles atmet aus diesem Buch. Darüber hinaus gibt es den wohl typischen bayrischen Humor, allerdings vermute ich das bloß, denn bei mir kam das Buch eher gewollt witzig an. Besonders die Sprachwitze, Scherze über Kuhmilch oder Hundefleisch strapaziert Rosendorfer doch arg über.
Hier merkt man, dass er keinen Roman, sondern eine Sammlung von satirischen Glossen schreiben wollte.

Insofern ist das Buch eine nette Zeitreise zurück in die 80er, die ihre Idee leider etwas zu sehr strapaziert. Meine Rezension im Fantasyguide: Briefe in die chinesische Vergangenheit von Herbert Rosendorfer

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2 Kommentare

  1. Sehe ich ähnlich.

    Ich habe in Erinnerung: einen starken Anfang, auch mit schöner Rätselhaftigkeit, einen nachlassend witzigen Blick auf uns Langnasen, nach hinten hin ein Ausfransen in Episodenhaftigkeit, und die Regionalia gingen mir als relativ Ortsunkundigem am Allerwertesten vorbei.

    Es schadet nichts, das Buch gelesen zu haben, aber es ist alles andere als ein zeitloser Klassiker.

    Interessante Vergleichslektüre wäre: DER SAMURAI VON SAVANNAH von T.C. Boyle. Das Buch ist fast aus der gleichen Zeit (1990 statt 1983), wirkt aber wesentlich frischer. Und ich habe beide Bücher erst kürzlich zum ersten Mal gelesen!

    Gefällt 1 Person

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