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Früher war mehr Gemütlichkeit

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Zu einer richtigen Obsession gehört es, dass man das Objekt seiner Begierde emotional auflädt. Deshalb kaufe ich Bücher manchmal an bestimmten Orten, zu bestimmten Zeiten und unter wunderlichen Umständen, von schrägen Begründungen ganz abgesehen.
Eine ist: Wenn ich schon in England bin, kauf ich auch ein typisch englisches Buch in einem echt englischen Buchladen.

The Wind in the Willows von Kenneth Grahame erwarb ich im Wadebridge Bookshop in Cornwall letzten Sommer. Dieses kleine Büchlein ist somit ganz offiziell super besonders!

The Wind in the Willows von Kenneth Grahame

The Wind in the Willows von Kenneth Grahame

 

Es erwies sich auch tatsächlich als typisch britisch mit Kaminfeuergeschichten, Natur ohne Ende und harmlos erscheinenden Abenteuern, die es doch ein wenig in sich haben, die vor allem aber ein fröhliches Loblied auf Freundschaft, Landschaft und die Gemütlichkeit singen.

Als Kinderbuch würde ich es nicht mehr sehen. Ähnlich wie Alice im Wunderland oder Der Zauberer von Oz ist auch The Wind in the Willows so eine typische, phantastische Geschichte aus dem letzten Jahrhundert, die man heute liest, um den wohlanständigen Geist jener Zeit einzuatmen. Erstaunlicherweise entstanden daraus bezaubernde Geschichten voll schimmernder Fantasiegebilde, bunt und prall, aber stets irgendwie friedlich und voller Höflichkeit. Sie wecken den Wunsch nach bequemen Sesseln vor einem Feuerchen und nach sorglosen, erquickenden Gespräche mit Freunden.

 

Fast möchte man hinzufügen: und nach harmlosen Abenteuern. Jedoch sind sie es gerade in The Wind in the Willows nicht wirklich. Der kleine Angeber Toad stiehlt bedenkenlos, hintergeht seine Freunde und lügt und betrügt ohne jede Scham. So richtig einsehen mag er seine Fehler auch nicht, vielmehr beglückwünscht er sich ständig selbst zu seiner Cleverness.

Darüber hinaus herrscht schlimmste Anarchie. Waffen sind in Massen frei verfügbar, Raub und Diebstahl normal, Unrecht begegnet man mit Gewalt. Ein Wunder, dass niemand stirbt.
Dass unsere Helden irgendwie nicht arbeiten gehen, aber in Wohlstand leben, kommt noch hinzu, mal ganz davon abgesehen, dass die netten Tiere kein Problem damit haben, trotz aller Zivilisation, ihresgleichen zu verzehren.

Ja, das Übel steckt im Detail.

Was natürlich riesigen Spaß macht. Nicht umsonst ist Toad der wohl beliebteste Charakter des Buches. Ein Punker in einer Welt voller Langeweiler.
Den man leider umerzieht.

Ich hatte meinen Spaß, hab natürlich nicht jedes Wort verstanden, aber recht fix bin ich beim Lesen in diesen Sog geraten, der einen die Sprache zumindest auf einer unbewussten Ebene vergessen lässt. Wörter, die ich neu lernte, weil sie so oft auftauchten: eagerly, narrow und bother.

Die Rezension gibt es, wie gewohnt, im Fantasyguide: The Wind in the Willows von Kenneth Grahame

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7 Kommentare

  1. … und natürlich ist im Original noch einiges verlorengegangen, weil du ja nicht die Übersetzung von Harry Rowohlt gelesen hast!

    Gefällt 2 Personen

  2. Hm, wieder eine Bildungslücke, muss ich erkennen bzw. gestehen.

    Immerhin hab mir kürzlich eine neue Ausgabe von „Alice im Wunderland“ gegönnt und das Werk erstmals ganz gelesen. Ist sehr sehr hübsch: https://schreibkramundbuecherwelten.wordpress.com/2015/10/23/alice-im-wunderland-alice-hinter-den-spiegeln/

    Gefällt mir

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