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Der süße Tritt in den Hintern

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Liest Du noch Hesse? hieß vor kurzem ein Blogartikel bei brasch & buch und erinnerte mich daran, dass ich Hermann Hesse schon immer mal lesen wollte.

Während des Abiturs, als wir uns gegenseitig Gedichte vorlasen, schwärmte mir ein Freund bereits vor, wieviel ihm die Werke von Hermann Hesse bedeuteten. Hesse war für mich damals wenig greifbar, ich las die französischen Naturalisten, Euripides und subversive Sowjetliteratur.
Aber immer mal wieder begegnete mir der Name am Rande, eingehüllt in Melancholie und bedeutungsschwangeren Blicken.

Recht wahllos griff ich mir nun den Steppenwolf, weil ich auf Erzählungen keine Lust hatte.

Der Roman hat mich auf der einen Seite überrascht und auf der anderen wieder nicht. Irgendwie entsprach er durchaus dem Bild, das ich mir von einem seiner Texte gemacht hatte.
Überraschend fand ich die Sprachvielfalt, gerade wenn es um das miterlebbare Beschreiben inner Zustände geht. So lyrisch wie wuchtig feiert Hesse die Psyche seiner Hauptfigur und wühlt sich durch eine Vielzahl an Emotionen. Und es wird zur glasklaren Gewissheit: Genauso fühlten sich Bildungsbürger zwischen den Kriegen. Zumindest einige.
Das sind so die Duftnoten, die ich aus der Lektüre der Manns oder Remarques oder Arnold Zweigs mitgenommen hatte.

Hermann Hesse – Der Steppenwolf, Cover von Willi Fleckhaus

Hermann Hesse – Der Steppenwolf, Cover von Willi Fleckhaus

Ziemlich neu war für mich die doch sehr offene Behandlung von Sexualität. Jenseits aller Frivolität und auch nicht so derb realistisch wie in Erich Kästners Fabian, den ich Anfang des Jahres las – beide Romane spielen fast zeitgleich und es gibt weitere Ähnlichkeiten, die man vielleicht mal untersuchen sollte.

Was mich aber wirklich umhaute war die positive Entwicklung der Handlung. Ich hatte mir da doch mehr eine Handlung vorgestellt, die tiefschwarzes Scheitern feiert.
Stattdessen wird der lebensmüde und sich selbst bemitleidende alte Sack von zwei jungen Mädchen aus dem Sumpf gezogen, bekommt jede Menge Sex und Spaß zur Behandlung und darf hinterher als geheilt betrachtet werden. Angeblich hätte ihm nur der Humor gefehlt und da er ihn nun gelernt hätte, wäre alles wieder chique. Damit hätte ich nicht gerechnet.
So ein kleiner Porno für Intellektuelle.

Was mich in anderen Werken Hesses erwartet, weiß ich ja nicht, aber die Frage müsste wohl eher lauten: Du liest noch Hesse?

Ja, als schon ziemlich alter Sack las ich den »Steppenwolf« gern. In der Literaturnobelpreisträger-Lesechallenge bin ich damit bei 14 angelangt. William Faulkner sollte ich mal für die Zukunft einplanen.
Aber hier der Link zur Rezi: Der Steppenwolf von Herman Hesse

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4 Kommentare

  1. Diese Hesse-Renaissance auf verschiedenen Seiten freut mich doch sehr 🙂 Und Faulkner ist ein gutes Vorhaben!

    Gefällt 1 Person

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