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Das war euer Land

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Manche Blickwinkel ändern sich erst, wenn man tatsächlich einmal mit ganz anderen Augen schaut.
Es war ein seltsamer Nationalfeiertag. Es begann schon damit, dass sich am Freitag überall Hektik verbreitete, weil man am Samstag nicht einkaufen konnte. Die meisten hatten den Tag einfach nicht auf dem Plan. So gern man den 03.Oktober in politischen Kreisen auch hat, irgendwie hat sich um den Tag der Deutschen Einheit bislang noch kein Kultstatus gewickelt.

Was auch damit zusammenhängt, dass am 03.10.1990 einfach nur ein Vertrag unterschrieben wurde und sich die wesentlichen Ereignisse der Einheit an ganz anderen Tagen abspielten. Maßgeblich am 09.11.1989.

Neben dem Ende der französischen Revolution und dem Beginn der Novemberrevolution fand an einem neunten November auch die Reichskristallnacht statt. Verständlich, dass man diesen Tag nicht zum Nationalfeiertag machen wollte.
Andererseits feiert man nun am dritten Oktober den neunten November.

Was sich da eigentlich abspielte, vergisst man schnell oder blickt eben nicht mehr so scharf hin. Recht spontan entschieden wir uns an diesem Tag nun mit dem Nachwuchs mal wieder Retro-Fernsehen zu gucken. Bornholmer Straße erzählt in Form einer Komödie von den Grenzern, die am 09.11.1989 von den Ereignissen überrollt wurden und die Mauer öffneten.
Während meine Frau in Leipzig damals ziemlich dicht am Geschehen war, versumpfte ich bei der Asche. Dennoch hatten wir beide ziemlich deutliche Erinnerungen an die Zeit.
Aber erst im erneuten Erzählen und den Nachfragen des Milchbarts wurde mir wieder bewusst, was diese Einheit für mich bedeutet.

Interessiert las ich die Blogbeiträge von Uschi Zietsch und Klaus N. Frick, die fast unisono ein negatives Fazit ziehen. Ausplünderung, Milliardengrab usw. usf. – lest es selbst.

Beide schreiben von einem mir ganz fremden Deutschland. Irgendwie klingt bei beiden immer noch dieses »Im Osten ist alles grau.« an.
Ich kann gar nicht genau benennen, seit wann für mich Deutschland, die BRD, kein Substrat mehr aus West+Ost ist. Es geschah irgendwann in den letzten zehn Jahren. Wenn ich heute durch das Land fahre und irgendwo anhalte, mache ich das nicht irgendwo im Westen oder Osten, sondern in Münster, Passau oder Dresden. Diese mentale Abgrenzung ist völlig verschwunden.

Ausbeutung, Wirtschaftspleiten, Arbeitslosigkeit, korrupte Politiker – das alles sind Features des Einheitsvertrages, die wir am 18.03.1990 sehenden Auges für Einigkeit, Recht und Freiheit wählten. Als Berliner ist es garantiert einfacher, die Welt im Wandel zu sehen. Hier blieb kaum ein Stein auf dem anderen, die Gentrifizierung mischt Bevölkerung und Wirtschaft beständig neu von links nach rechts, im Kreis und querbeet. Mittendrin die Regierung mit ihren feuchten Architektenträumen.

Ja, mein Sohn, da gab es mal zwei Staaten. Doch da draußen ist nun unser aller bunter Einheitsbrei und der begann am Neunten November zu kochen. Du darfst das jetzt auslöffeln.

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