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Grenzen und Ränder

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In meinem Regal mit englischer Literatur steht schon ein Buch von Thomas Hardy, nämlich Tess von den d’Urbervilles, allerdings hab ich das nicht gelesen. Da ich aber wieder einmal erst hinterher ins Regal geschaut habe, kaufte ich mir als Urlaubvorbereitungslektüre Am grünen Rand der Welt, natürlich weil gerade die Verfilmung im Kino läuft.

Am grünen Rand der Welt von Thomas Hardy,  Cover von Petra Börner Am grünen Rand der Welt von Thomas Hardy, Cover von Petra Börner

Zu Beginn dachte ich tatsächlich, dass ich da in eine Schmonzette hineingeraten sei, aber zum Glück verliert sich dieser Eindruck schnell und nachdrücklich. Trotzdem spielt Liebe natürlich eine große Rolle im Roman. Sie ist Motivation und Triebfeder, aber letztlich geht es um das, was der Liebe im Wege steht.
Das sind die gesellschaftlichen Grenzen der englischen Stände und auch die der Moral.
Hardy überraschte mich mit einer doch sehr modernen Frauenfigur und in nur ganz wenigen auktorialen Kommentaren lugt sein eigenes Frauenbild hervor. Das ist liberaler als das seiner männlichen Figuren, aber immer noch deutlich dem 19. Jahrhundert verhaftet.

Es gibt eine interessante Parallele zwischen Bathsheba und Emma Bovary von Flaubert. Beide Frauen werden von einem Luftikuss verführt und entzündet, aber hinterher wieder fallengelassen, wenn aus dem Objekt der Begierde eine Partnerin zu werden droht.

Aber die beiden Frauenfiguren sind an sich grundverschieden. Während Emma von der romantischen Liebe träumt, will Bathsheba unabhängig sein. Sie schämt sich sogar dafür, ihre Freiheit aufgegeben zu haben. Aber sich über Gefühle hinwegzusetzen, erlauben sowohl Flaubert als Hardy nur ihren männlichen Figuren.

Ich mochte die realistischen Romane des 19. Jahrhunderts schon immer. Thomas Hardy hat mich wieder daran erinnert, wie komplex ganz einfache Geschichten sein können. Auch ganz ohne phantastische Intarsien.

Bevor ich für ein kleines Zwischenspiel auf den Mars fliege, gibt es meine Wessex-Rezi im Fantasyguide:
Am grünen Rand der Welt von Thomas Hardy

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