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Gekaufte Utopien

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Gelegentlich grüble ich darüber nach, warum mich Gegenwartsliteratur völlig kalt lässt. So genau kann ich das gar nicht begründen. Letztlich liegt es ja auch an den erzählten Geschichten. Aber irgendwie reizen mich die meisten Buchbeschreibungen überhaupt nicht.
Deutsche Demokratische Rechnung hätte ich nie angefasst, wäre sie nicht von Dietmar Dath gewesen.
Zu Beginn des Lesens war ich überrascht, wie interessant man dann doch über 2014 in der BRD schreiben kann. Ruckzuck steckte ich in der Geschichte und folgte Vera durch ihr verwirbeltes Leben. Stand ich plötzlich doch auf Gegenwartsliteratur?
Und dann sagte Dath auf der Lesung im Brechthaus, selbstverständlich sei das Buch SF.
War ja so klar.

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Andreas Platthaus kann Dietmar Dath das Wasser reichen. Deutsche Demokratische Rechnung im Brechthaus am 29.05.2015

Das letzte Mal, als mich aktuelle Literatur brennend interessierte, war zum Ende der DDR hin und hat vermutlich auch mit dem Erwachsenwerden zu tun. Vielleicht auch am Mangel an SF im Regal meiner Bibliothek.
Aber dieses Lechzen nach versteckten Wahrheiten gehörte irgendwie dazu. Im Vergleich zudem, was damals an neuen Gedanken auf mich einprasselte, gerade aus der jungen Sowjetliteratur, ist heute irgendwie die Luft raus. So scheint es mir zumindest. Aber ich suche auch nicht wirklich.
Im Gegenzug fehlt mir gerade in der deutschsprachigen SF das Interesse an Stoffen, die sich an der Gegenwart reiben. Politische SF ist Mangelware. Neben Dath fällt mir spontan nur noch Uwe Post ein.

Das mag etwas mit dem verstärkten Unterhaltungsanspruch in der Literatur zu tun haben. Dieses Schreiben für den Markt. Man muss ja davon leben können. So entstehen gekaufte Utopien.
Passend zum Thema fand ich heute in der FAZ online die Rede Erst verschwinden die Dörfer, dann wir von Norbert Niemann. Nachdenklich stimmender Text.
Wobei natürlich der Blick auf das professionelle Lage notwendiger Weise mehr Marktabhängigkeit offenbart. Unabhängige KünstlerInnen, auch in der Literatur, gibt es bestimmt weitaus mehr.
Tja und wäre es ohne Markt besser? Vielleicht. Man müsste, und da sind wie wieder bei Daths Deutscher Demokratischer Rechnung, aus den Fehlern des Scheiterns lernen.

Deutsche Demokratische Rechnung von Dietmar DathDeutsche Demokratische Rechnung von Dietmar Dath

Und was im sozialistischen Literaturwesen alles schieflief, erkundet gerade Gesine von Prittwitz auf ihrem SteglitzMind-Blog in der sehr lesenswerten Artikelreihe Das ungelöste Verhältnis von Politik und Ökonomie. – Buchhandel in der DDR.
Kaum vorstellbar, aber auch ich bin eine Zeitlang jeden Tag in die Karl-Marx-Buchhandlung gerannt, um ja keine spannende Neuerscheinung zu verpassen. Denn die Exemplare waren abgezählt. Seltsame Zeiten.

Aber ganz aktuell ist meine Rezi:
Deutsche Demokratische Rechnung von Dietmar Dath

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