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Herbstgewühl

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Neulich kam Frank Böhmert in seinem Blog auf Manfred Bofinger zu sprechen. Prompt erinnerte ich mich daran, dass er die wunderbaren Bilder in den Französisch-Schulbüchern verzapfte. Ein Großteil des Spaßes an diesem Fach verdanke ich Bofinger.

Und weil Frank ein cooler Hund ist, hatte er die grandiose Idee, einen Herbstspaziergang zu Bofingers Grab zu machen.
Als ob der Geist des Mannes uns eine Freude machen wollte, zeigte sich der Herbst von seiner allerbesten Seite und trieb nicht nur uns auf die Stralauer Halbinsel. So sah Frank seine Lieblingslaufstrecke einmal richtig bevölkert.

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Blick auf die Halbinsel Stralau von Treptow aus

Die Halbinsel wird seit einigen Jahren in eine Gartenstadt verwandelt, zum Glück ist fast der gesamte Uferstreifen ein öffentlicher Wanderweg geworden. Die Aussichten sind fantastisch und es fühlt sich nicht nach Innenstadt an, sondern so richtig nach Jottwehdeh.

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Manchmal ist Berlin nicht mal mehr ein Dorf

Bofingers Grab liegt auf dem Friedhof der alten Dorfkirche, ein an diesem Tag unglaublich freundlicher und sonnendurchfluteter Totenacker mit einladenden Bänken, die auch gut besucht waren.

Das Grab selbst ist von weitem zu erkennen. Ein lesendes Mädchen aus weißem Stein fällt ins Auge. Beim Näherkommen erkennt man das kleine Selbstbildnis unten auf dem Stein und lauter kultige Dinge. Glasmurmeln, Spielzeug, Krimskram und natürlich krumme Löffel.
Dieser krumme Löffel gehört zu Bofingers Leben und bildete den Titel seiner Kindheitserinnerungen, eben jenes Buch, das Frank einst vom Autor geschenkt bekam.

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Simpel aber Klasse

Wir setzten uns dann dem Grab gegenüber auf eine Bank und ich lauschte den beiden Geschichten aus Bofingers Leben, die Frank leise säuselnd und mit Begeisterung über die lebensprallen Miniaturen vorlas.

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Ein perfekter Moment

Dann quatschten wir im Herbstsonnenschein und wühlten in Plänen und Erinnerungen, so wie Bofinger einst mit seinem krummen Löffel in den Kellerlöchern des zerbombten Berlins.

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/bow @Bofinger

Als ich am Vorabend in die Regale mit den alten DDR-Büchern schaute, überraschte es mich doch, in wie vielen Bofinger zu finden war. Zwei nahm ich auf den Spaziergang mit. Alfons Zitterbacke – das großartige Verlierer-Buch von Gerhard Holtz-Baumert, mit den vielen bunten Pechvögeln auf den Umschlaginnenseiten, gehört zu den wenigen echten Kinderbüchern die ich las.
Das zweite Buch Graffunda räumt auf von Renate Holland-Moritz las ich erst später und natürlich wegen des Films Der Mann, der nach der Oma kam mit Rolf Herricht.
An alledem hatte ich seit Jahren nicht mehr gedacht. Da muss erst ein Kreuzberger mit seiner umstandslosen Neugier kommen.

Wir wandert den Uferweg auf der Spreeseite zurück bis nach Kreuzberg hinein. Die Wege und Straßen voller Menschen im Genuss des vielleicht letzten schönen Sonnentages. Später saßen wir bei einem Kumpel von Frank auf dem Dach im Wrangelkiez. Um uns Berlin, Lunge, Herz und Kopf freigeblasen. So geht das mit dem Herbstgewühl.
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Ein Gruß von der Elsenbrücke

Frank hat natürlich auch darüber gebloggt. :wave:

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