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Was wird den Menschen vernichten?

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Die Romane von Dietmar Dath sind nicht unbedingt locker wegschlürfbare Texte, kein Wunder also, dass man sich in Theaterkreisen dafür interessiert.
Darum erfreute es mein Explorer-Herz, als ich parallel zu meiner Feldeváye-Lektüre von einem Theaterstück nach dem Roman Die Abschaffung der Arten hörte.

Hier in Berlin! Im Szene-Stadtbezirk Lichtenberg.
Nicht mosern, da die Szene ständig wandert, wird auch Lichtenberg mal dran sein.
Unsere Ururenkel werden das noch erleben.

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Das Theater an der Parkaue

Die Premiere fand am 03. Juni statt und Karten gab’s natürlich keine mehr. Online konnte ich dann Karten für den September reservieren. Falls ihr das nachmachen wollt, die Software versteht darunter kaufen. Kommt also gleich eine Rechnung, nicht wundern, so wie ich. :wave:

Gestern waren wir da. Das ehemalige Pionierhaus German Titow hab ich bestimmt schon mal besucht, aber erfolgreich aus meinen Erinnerungen gelöscht. Wer weiß, welch toller Pioniernachmittag uns hier damals erfreute.

Heute ist das alles längst (unsichtbare) Geschichte. Man geht nicht direkt in den Theatersaal, sondern wird abgeholt. Während der Vorstellung hab ich natürlich nicht geknippst sondern nur vorher und danach, damit man einen kleinen Eindruck bekommt.

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Dunkel wars und schummrig: Vorher

Das Stück selbst hat mich begeistert.

Der Saal ist nicht groß, es gibt eine kleine Tribüne mit Bänken für die ZuschauerInnen, mehr als fünfzig dürften keinen Platz haben. Es gibt keine Lehnen, und obwohl das Stück nicht lange ging, verkrampften meine eh nicht besonders tollen Muskeln in Rücken und Nacken.

Aber die Schmerzen war es wert.

Das Ensemble bestand aus drei Männern und sieben Frauen, die verschiedene Rollen spielten. Dazu machten sie Geräusche, übernahmen Stimmanteile, bedienten kleine Kameralinsen, mit denen der Hintergrund auf der Leinwand inszeniert wurde. Sehr witzig, als ein Dschungel und später eine Sexszene so dargestellt wurde. Ohne echten Sex oder Dschungel natürlich.

Sehr oldschool war vielleicht auch das Fehlen von spritzenden Flüssigkeiten. Lediglich Lamatta und Schaumstoffsteine flogen umher. Die Requisiten waren grundsätzlich sehr kreativ. Die verschiedenen Tierkostüme konnte man zum Teil auf ihre Bestandteile zurückführen, etwa Damenschuh oder Fahrradhelm, waren aber dennoch deutlich Tierkostüme. Schön dazu.

Im letzten Teil des Stückes wurde mit kleinen Handpuppen gespielt, Ein utopischer Krieg wurde mit Pappkriegsmaschinen geführt, welche die Puppenkriegerin geschmeidig besiegte. Dabei agierten die jeweils drei SchauspielerInnen mit ihren Puppen äußerst virtuos. Die rote Kriegerin, es müsste Padmasambhava gewesen sein, geriet dabei ungemein überzeugend, als ob die PuppenspielerInnen in diese Figur aufgegangen waren. Sehr beeindruckend.

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Nachher war mehr Lametta

Da ich das Buch noch nicht gelesen habe, musste ich mich ganz von der Handlung treiben lassen. Eine Gruppe Touristen besucht die Erde und will wissen, warum den Menschen passiert ist, was ihnen passiert ist. Und so geht’s per Zeittunnel in die Vergangenheit der Zeit der großen Langeweile. Also heute.
Die Menschen mit ihren öden Leben werden von den Gente abgelöst, die sich ihre Art beliebig aussuchen können, so laufen denn Löwe, Fuchs, Wolf, Eselin, Dachsin, Libelle, Luchsin, eine Eibe und eine wahre Frau über die Drehbühne. Bald aber kommt ein Mischwesen aus Keramik und beginnt die Gente wiederum zu verdrängen …

Es war die ganze Zeit etwas los auf der Bühne, alle agierten für mich völlig überzeugend und fesselnd. Vor allem aber vermittelten sie mir den Eindruck, den Dath verstanden zu haben. Wenn vielleicht nicht aus der SF-Sicht heraus, sondern eher so in Richtung Evolution.
Einige anwesende Jugendliche hingegen unterhielten sich hinterher, dass ihnen der Sinn des ganzen bis zum Schluss unklar blieb. Tja, ein Einsteigerstück ist es definitiv nicht.

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Ein kleiner Eindruck von den Tierkostümen, Eselin- und Löwen-Maske sind zu sehen

So gefällt mir Theater. Wenn ich das Buch lese, werden mir diese Theater-Bilder wieder einfallen. Ich kanns nur empfehlen, preiswert ist es zudem auch noch. Keine Ahnung, wie man von dreizehn Euro die Karte, so etwas finanzieren kann. Aber es scheint möglich. Das sollte man dann auch nutzen, also strömt hin, bevor uns die Gente verdrängen. Ich würde übrigens ein Adler sein wollen.
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Kostbare Sammelstücke, die ich ins Buch packe. Zum Glück ist es kein eBook

Vielen Dank an:
Denis Pöpping
Corinna Mühle
Jan Friedrich
Nico Parisius
Franziska Rattay
Nora Lee Sanwald
Mirjam Schollmeyer
Helene Schmitt
Nathalie Wendt
Lena Wimmer

und an die Regisseurin Claudia Bauer samt Team!

Mehr Infos zu Stück und Bühne gibt auf der Parkaue-Homepage.


5 Kommentare

  1. Drittgedanke sagt:

    „Die Abschaffung der Arten“ auf die Bühne zu bringen – auf die Idee muss man erstmal kommen! Das Buch ist ja die reinste Knistereffektkiste, da denkt man vielleicht an die Möglichkeit einer Hollywood-Bombast-Verfilmung, nur was sollte Dath in Hollywood wollen… aber: Theater? Spannend!

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    • lapismont sagt:

      Ich fand das auch großartig. Aber SF im Theater ist nicht so oft zu finden.

      Gefällt mir

      • Drittgedanke sagt:

        Ja, man denkt SF eben irgendwie zwangsläufig in Verbindung mit diesem großen visuellen Erlebnisraum „Kino“, während man der Bühne als analogem Schauraum die Umsetzung solcher Stoffe wohl einfach nicht so recht zutraut. Das „Kopfkino“ ist zwar mein liebstes Medium für SF (läuft beim Lesen automatisch mit), aber diese Idee, so was wie Dath mal fürs Schauspiel zu adaptieren, find ich so irrsinnig, dass ich bereits ohne einen Schimmer von dieser Aufführung zu haben völlig begeistert bin.

        Gefällt 1 Person

      • lapismont sagt:

        Dabei fällt mir übrigens R.U.R. – Rossum’s Universal Robots von Karel Čapek ein, welches quasi ein ganz klassisches SF-Drama fürs Theater ist. Das wollte ich auch schon immer mal auf der Bühne sehen.
        Wobei ich eigentlich grundsätzlich mal wieder ins Theater sollte 😮

        Gefällt 1 Person

      • Drittgedanke sagt:

        Noch nie gehört – Danke für den Hinweis!

        Gefällt 1 Person

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