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Die bucklige Verwandtschaft

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Wenn der Nachwuchs sich für Philosophie interessiert, ist es kein Wunder, dass wir unseren Weimar-Besuch mit Friedrich Nietzsche beendeten (okay, es kam noch ein Kloßbuffet).

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Die Villa Silberblick mit der Ausstellung zum Nitzsche-Archiv

In der ehemaligen Villa Silberblick lebte der Philosoph die letzten Jahre bis zu seinem Tod am 25. August 1900. Seine Schwester pflegte ihn dort und verschrieb sich später auch der Pflege seines Werkes. Leider verstand sie darunter vor allem eine ihr genehme Interpretation. Sie zerpflückte Texte, fälschte und verhunzte nach Lust und Laune. Tatort war das Nitzsche-Archiv.

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Henry van de Velde gestaltete auch die grandiosen Bronzegriffe der Eingangstür

Nach 45 löste man das Archiv auf, die Villa diente als Gästehaus. Erst nach der Wende wurde das Erdgeschoss restauriert und in den Zustand von 1903 zurückversetzt, als der belgische Architekt Henry van de Velde das Haus umbaute. Was übrigens teurer wurde als die Kaufsumme von Haus und Boden.
Gelohnt hat es sich aber. Allein das Bibliothekszimmer ist jeden Besuch der Villa wert. Auch wenn ich persönlich ein paar Bücherregale mehr bräuchte.

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Das stlisierte N verwendete man als Markenzeichen

Die Ausstellung besteht aus drei Räumen, eines davon beschäftigt sich mit der wenig ruhmreichen, aber hochinteressanten Geschichte des Nitzsche-Archivs. Der lohnenswerte Audioguide steht auch hier, wie beim Bauhaus-Museum, komplett als pdf im Netz. Cooler Service der Klassik Stiftung Weimar!

Neben der Villa findet man auch noch jene Ruhmes-Halle, die die Nazis für Nietzsche bauen ließen. Wie etliche ihrer Protzprojekte, brachten sie es nicht zu Ende, weil ihnen das Geld dafür fehlte. Sie steckten damit lieber die ganze Welt in Brand.

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Ehemalige Ruhmeshalle

Heute steht der Bau leer. Der Rundfunk nutzte ihn eine Weile, aber für Aufnahmen ist es wohl nicht besonders geeignet. Auch als Proberaum für die Staatskapelle Weimar war er im Gespräch, doch besonders groß ist er halt nicht.
Und wer mag schon Nazi-Bauten?

Die Staatskapelle Weimar sollte man sich übrigens auf jeden Fall anhören, wenn man in Weimar ist. Sie spielen auch Also sprach Zarathustra in der Vertonung von Richard Strauss. Ja, genau, die seit Stanley Kubricks 2001 unverzichtbare SF-Hymne.

In der DDR war Nietzsche verpönt als ideologischer Wegbereiter des Nationalsozialismus. Was er zu einem großen Teil der Arbeit seiner Schwester verdankt. Denkt daran, wenn ihr das nächste Mal böse zu euren Geschwistern seid! :wave:

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Nietzsche-Büste von Max Klinger

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2 Kommentare

  1. Frank Bhmert sagt:

    Schöner kleiner launiger Bericht!

    Gefällt mir

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