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Magische Einsamkeit ist so real

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Man soll keine Angst vor dem Tod haben. Das liest sich als Ratschlag immer sehr theatralisch und hilft auch nicht. Vermutlich ist es ein Kulturproblem und als Südamerikaner lebt es sich irgendwie selbstverständlicher damit. Mir jedenfalls graut es davor, sterblich zu sein. Es gibt einfach noch sooooo viel zu tun, zu erleben und mitzumachen. Eigentlich ist es dann wohl die Angst davor, etwas zu verpassen.

Hundert Jahre Einsamkeit zu lesen kam mir auch erst in den Sinn, als die Berichte zum Tod von Gabriel García Márquez durch die Presse gingen. Und wie so oft stelle ich mit zunehmenden Unbehagen fest, dass es gerade auch unter den berühmten Büchern noch so viele gibt, die ich nicht gelesen haben. Aber bleib ruhig, Brauner. Jammern lähmt nur.

Das Werk gilt als blumiges Beispiel des magischen Realismus und ich habe mir darunter etwas ganz anderes vorgestellt. Wahrscheinlich habe ich inzwischen bereits eine derartig große Menge an phantastischer Literatur gelesen und eine entsprechende Fantasie entwickelt, dass sich der Roman für mich normal anfühlte. Zumindest was die Handlung anbelangt. Sprachlich ist das Buch tatsächlich berauschend. Magisch im Sinne von Wortzauberei. Bei so etwas schwelge ich überglücklich in den Sätzen und komme mir ganz wortkarg und hölzern vor.

Fast genauso faszinierend fand ich an »Hundert Jahre Einsamkeit«, wie Márquez in die Familiengeschichte die Historie und das Wesen Südamerikas thematisierte. Vor allem die Selbstverständlichkeit, mit der er die Sinnlosigkeit eines Bürgerkrieges als unvermeidbare Entwicklung präsentiert, als fast schon zwanghaften Bestandteil des Lebens, beeindruckt mich tief.
Daneben schreibt er so unglaublich großartige Frauenfiguren und schafft bildhafte Verknüpfungen, die sie unvergesslich machen. Hoffe ich jedenfalls. So ganz trau ich meinem Gedächtnis nie. Aber dafür hab ich ja meine Texte, wie die Rezi zum Buch.

Als Bestandteil meiner Urlaubslektüre gibt es auch zwei Bilder und mit ihnen schließe ich auch deren Veröffentlichung hier im Blog ab. Die restlichen gehören zu Gedichtfragmenten, denen ich mich bei Gelegenheit zuwende.

Das erste stellt den am Baum gefesselten José Arcadio dar. Er verwächst mit dem Geist des Baumes, sieht umso klarer, wenn auch unverständlich für seine Umwelt. Im Geäst noch ein Schild aus der Zeit, da die Schlaflosigkeitspest ihnen alle Begriffe raubte.

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José Arcadio

Das zweite Bild zeigt Rebecca. Das Motiv des Erde-essenden Mädchens hat mich sehr berührt. Ich weiß nicht genau warum, aber als Symbol der Einsamkeit ist es großartig.

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Rebecca

Ich bin froh, das Buch gelesen zu haben und bestimmt werde ich noch mehr von Gabriel García Márquez lesen. Nicht demnächst, manche Bücher will ich nicht im Herbst lesen, aber ich weiß, dass eine Stimmung kommen wird, in der es mich zu genau diesem Gefühl hinzieht, welches ich nun mit Márquez verbinde.


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