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Des Scheiterns schöner Schatten

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Es ist gar nicht so einfach, an einer Fantasy-Geschichte weiter zu schreiben, wenn man nebenher Bulgakov und Delany liest.
Das Problem ist, dass ich selbst mehr die komplexen Charaktere mag und sowas dann von meiner eigenen Schreiberei auch erwarte. In Kurzgeschichten fällt es nicht ganz so auf, wenn ich damit scheitere. Bei einem Roman ist das schon offensichtlicher.

Jedenfalls stößt mir mitten im Kapitel 2.3 auf, dass meine Arasaan ja eigentlich immer noch ein blutjunges Mädchen ist, der ich einfach so eine Führungsrolle aufs Augegedrückt habe. Ganz so lapidar darf ich da nicht drüber hinweggehen, zumal sie nun mit Hanya reden muss.
Dann hab ich zwei Mädels mit zu großen Packen auf dem Buckel und eine schickt die andere in die Walachei. Wenn ich das nicht unterfüttere, kauft mir das keiner ab.

Gerade das heftige Nachdenken in den letzten Tagen über die Probleme in Jeschkes Dschiheads, zeigte mir, wie zentral es ist, seine Figuren nicht nur zu reinen Funktionsträgern zu machen. Bulgakov hat es sogar noch vollbracht, in seine Groteske Zeitkritik einzubauen. Zwar spielt sein Roman auch in der Gegenwart, aber letztlich ist Meister und Margarita Phantastik.

Aber wenn ich überlege, ob ich irgendwas Aktuelles in meine Fantasy-Welt einbauen will, wird mir bewusst, dass ich gar keine fundierte Systemkritik aufstellen kann, die ich unterbringen möchte. ich bin kein Dissident, kein Systemgegner und auch kein wegen seiner Meinung Verfolgter.

Und dann bliebe auch noch das Problem, es dann auch sinnvoll in die Handlung zu integrieren.
Möglichkeiten kann ich mir schon vorstellen. Korruption, Globalisierung, Armut und religiösen Fanatismus bekommt man in einer Fantasy-Geschichte immer irgendwie unter. Die Frage ist, ob es zur Abenteuergeschichte passt ohne aufgesetzt zu wirken. Bestimmt würde die Leserschaft kurz schmunzeln, wenn ich von den ewigen Bauarbeiten am neuen Handelshafen Saramees berichtete, aber mehr als eine Anekdote wäre es nicht. Das ist wie mit den Andeutungen bei Asterix, die Hälfte davon versteht man zehn Jahre später schon nicht mehr.
Bulgakovs böse Scherze aber sind selbst dann zeitlos, wenn man ihre echten Ziele nicht erkennt, da er es schaffte, sie zu typisieren.

Ach ich merk schon. Eigentlich kann ich nur scheitern.

😳


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