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Gedanken zur Schriftcodierung bei Reinhard Jirgl

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Während der Text mal flüssig, mal träge durch meinen Kopf rauscht, kamen mir einige Überlegungen zur Schriftcodierung in Reinhard Jirgls Nichts von euch auf Erden:

ent-2 brechen
jeder für=sich-all-1
werde im Haus der Sorge 1 Reparaturantrag stellen

1 und 2 nicht auszuschreiben, stört mich beim Lesen sehr, gerade wenn es gebeugte Formen von ein oder zwei ersetzen soll. Diese Ersetzung ist auch nicht konsequent durchgezogen. Ich habe mich aber auch nicht bemüht, ein System darin zu suchen. Vielleicht gibt es das.

?Welche Schlußfolgerungen hat !er daraus ableiten können.

Ausrufezeichen vor einem Wort verwirren mich hin und wieder. Ganz besonders, da ich als Programmierer gewohnt bin, dies als Negation zu lesen.
Gerade hier, wo ich automatischen eine logische Und-Verknüpfung las:

Daraus – !erstaunlich – erwuchsen !echte Reichtümer & !wirklicher Gewinn.

Aber Jirgl mach das auch mit Fragezeichen und dadurch entsteht schon eine zusätzliche Betonung von einzelnen Wörtern. Eigentlich eine nützliche Maskierung. Könnte ich mir in eigenen Gedichten durchaus als Mittel vorstellen. An manchen Stellen wirkt es aber auch albern, da man das Bedeutungsschwangere mit dem Dampfhammer in die Augen getrieben bekommt:

bilden den absoluten !Sonderfall, die !1malige !Ausnahme;

auf=Erden

Die Gleichheitszeichen sind meiner Meinung nach fast immer irrelevant. Man könnte sich damit beschäftigen und jedesmal über die Sinnaufladung nachgrübeln, aber zum einen gibts einfach zu viele Gleichheitszeichen und zum anderen will ich einen Roman lesen und kein Gedicht.

–Möcht er hören, was Damals geschah.

Die wörtliche Rede durch Anstriche und nicht durch Guillemets zu maskieren ist wohl Exzentrik. Bringt dem Text keinen Hinzugewinn.

Be=Geisterung

Sehr interessant und nützlich sind Zusammenschreibungen bzw. Trennungen von Wörtern, die dadurch neue oder exaktere Bedeutungen erhalten. Warum da im Beispiel ein Gleichheitszeichen ist, weiß ich auch nicht.

Es gibt auch einige lautmalerische Schreibweisen, die mich als Lyriker begeistern:

Keineruh fand ich damals, Keinenschlaf – ich grübelte, ?wie !herauskommen aus dieser Phalle…..

Das hat schon etwas.

Daraufhin nehme ich an seiner Seite Platz*.

Das Sternchen konnte ich noch nicht zuordnen. Muss ich mir eine Anmerkung denken? Das Wort Stern? Oder Asterisk?

Da ich als Lyriker gewohnt bin, Stilmittel nicht zu überstrapazieren, neige ich aber dazu, Jirgls Schriftcodierung nur mittelprächtig zu finden. Mir reichte es durchaus, wenn ich eine Wortidee einmal vorgesetzt bekäme. Ich erwische mich dabei, wie ich den Wort- und Zeichenzauber einfach überlese um die Handlung aufzuspüren.

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