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Das Problem mit der Codierung

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Erwartungsgemäß erweist sich die Lektüre von Reinhard Jirgls Nichts von euch auf Erden als große Herausforderung.
Ich bin jetzt auf Seite 68. Es gibt inzwischen einen Protagonisten, der zusammen mit anderen Erdlingen auf die Ankunft der Marskolonisten wartet. In dieser Wartezeit zeigt ihm ein älterer Bekannter eine historische Aufnahme, die ein Paar dabei begleitet, wie sie zur Ausreise auf den Mars in immer schlimmeren Verhältnissen reisen müssen bis es einer Deportation in ein KZ gleicht.
In dieser Szene kann Jirgls Schriftcodierung seine volle Wucht entfalten. Hier erweitern die Gleichheitszeichen und Zusammensetzungen das Beschriebene, geben ihr lyrische Vielfältigkeit. Es gibt eine breitere Erfahrung des Gehetztwerdens, der Symbolträchtigkeit jeder Nuance der Handlung. Das ist fesselnd und atemberaubend.
Fatal jedoch ist der Gebrauch von Überlappungen und Doppelbelegungen in den rein reflexiven Wartedialogen. Ich habe das Gefühl, bereits verstanden zu haben, was Jirgl sagen will, aber sicherheitshalber walzt er es Seite um Seite aus und verfällt in Geschwafel. Das wird umso ermüdender, je weniger passiert. Wenn man große Gedanken nicht klar ausdrücken kann, werden sie unhörbar. So zumindest geht es mir.
Klar, es kann auch an meinem Intellekt liegen, dass sich mir der Reiz am Denkprozess nicht erschließt oder ich die Details und die Tiefe der Gedanken nicht honorieren kann. Vielleicht bin ich nicht Zielgruppe genug.
Aber ich frag mich schon, ob Jirgl hier seinen Roman an einer Stelle überfrachtet, die Klarheit gebraucht hätte. Oder Straffung. Literarische Mittel erzielen nicht überall die gleiche Wirkung. Manchmal sind sie kontraproduktiv.


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