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Montbrons galaktische Abenteuer (6)

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Es ist nicht leicht, der einzige Zwerg im Weltall zu sein. Auch wenn wir als seltsam und eigenbrötlerisch gelten, wir sind sozial engagierte Wesen mit großer Community-Kompetenz.
Darum kann man sich vielleicht vorstellen, dass ich ab und zu auf meinen Reisen die Gesellschaft anderer Wesen suchte, auch wenn nichts an ein ordentliches Ahnen-Thing in einer zwergischen Wehrfestung herankommt.

Als mich wieder einmal der Sinn des Lebens quälte, meine Gesänge trüber und dunkler wurden, mich nicht mal mehr eine Runde Dartork belebte, steuerte ich meine Goldberg VII – Solidhaut in das nächstgelegene System.
Der Katalog freischwebender Welten wies Satoris V als freundliche Urlaubswelt aus, geeignet für tausend und ein Vergnügen. Ich war schon so runter, dass ich auch eine Elfenwelt betreten hätte, daher klang die Kurzinfo ausreichend spannend. Die Landung verlief erstaunlich nasenfreundlich, anscheinend schonte mich sogar die Schiffs-KI.
Durch das Bullauge hatte ich schon einen Blick auf dichte Wälder werfen können und so überraschte es mich nicht, dass mein Raumschiff auf einer hölzernen Plattform stand, umgeben von Blattwerk in vielen zarten Rosa-Tönen.
Rosa ist als Farbe irgendwie kompromittiert. Man kann es nicht hassen wie etwa Grün, der Farbe von Orks und Goblins, es erweckt nicht den Geruch der Schlacht wie Rot oder Schwarz. Auch verbindet man keine Gefühle wie Gier oder Neid damit, nein, homophobe Charaktere denken bei Rosa an Schwäche und nun ja, an Homosexualität. Allerdings sind wir Zwerge nicht homophob und das hat in erster Linie mit Zwergensex zu tun.
Zwerge stehen zu Sex natürlich erzkonservativ. Nicht im menschlichen Sinn, sondern tatsächlich rein metallisch. Ein Zwerg wird aus dem Stahl der Schlacht geschaffen, er liebt alle Zwerge, ob Frau oder Mann und Sex hat zwerg nach Bedarf. Dennoch mag ich Rosa nicht besonders. Farben sind ja eigentlich nur spektrale Spielereien, daher hätte mir auch Rosa egal sein können, nur rosane Blätter sehen tatsächlich aus wie etwas, dass traurige Mädchen zeichnen, wenn sie erkennen, dass Vampyre sich nicht in kleine traurige Mädchen verlieben.

Ihr versteht vielleicht, dass mich der erste Eindruck von Satoris V daher wenig aufbaute.
»Willkommen im Reich der Vollendung, fremder Krieger, erfreue Dich an der Lust der Farben und verweile nach Belieben und angetan mit Entzücken!«
Vor mir stand ein rosa Farnwedel auf drei Beinchen und fächelte während seiner Rede Rosenduft in meine Richtung.
»Tach.« Konservation mit rosa Farnwedeln ist ein eher unwichtiger Bestandteil in zwergischen Kommunikations-Seminaren.
»Dir steht eine Welt der Entspannung zur Verfügung, lass den Alltag hinter Dir. Wenn Du etwas benötigst, wird es uns ein Vergnügen sein, alle Deine Wünsche zu erfüllen! Halte Dich an den Pfad der Liebe und vermehre Dich!«
Mit diesen Worten huschte er davon und auf den Planken leuchteten Lampen in hellem Rosa auf, deren Blinken in eine Richtung wies.
Etwas zögerlich, Vermehrung stand nämlich gerade nicht auf meinem Lebensplan, folgte ich dem Licht. Am Ende der Plattform gab es keinen Weg, dafür zuckte ein zartrosa, dickfleischiges Blatt.
»Folge dem Pfad der Liebe!«, säuselte es von kleinen Wimpern am Blattrand.
Mutig trat ich auf das Blatt, das sanft nachgab und in einer fließenden Bewegung mehrere Höhenmeter abwärts sank. Mit Architektur kenne ich mich nicht sonderlich aus, aber Blätterfahrstühle erinnerten mich etwas zu sehr an Spitzohren. Vielleicht verspürte ich deshalb ein seltsames Gefühl im Magen. Schnell wehrte ich das Problem mit einem tiefen Schluck aus meinem Bierkrug ab, verschloss ihn wieder und wollte ihn gerade zurück in den Gürtel stecken, als das Blatt anhielt. Mit einer Wellenbewegung schubste mich der Fahrstuhl auf eine riesige Blüte. Sie verfügte über unzählige große und natürlich rosa Blütenblätter am Rand, die sich wie lüsterne Zungen bewegten, während ich in der Mitte auf seltsam geformten Staubbeuteln zu liegen kam.
»Die Liebe, die Liebe!!!«, sangen die Blätter.
Dann platzen Staubbeutel und ich fiel um. Die Blütenblätter begannen mich wild umherzuschubsen, ich wurde über und über mit rosa Staub bepudert, alles drehte sich, besonders mein Magen und plötzlich klebte ich an einem riesigen Stempel, der rosa und steil aufgerichtet vibrierte.
»Liebe! Liebe! Liebe mich!«, skandierte er und in mir brach ein Damm. Ich übergab mich mitten auf die Stempelspitze.
Das war wohl nicht geplant. Das ekstatische Zittern verwandelte sich in ein wildes Schaukeln. Die Blüte beugte sich, überall schrie es »Bäh, Würg, Igitt, So ein Ferkel!«, dann flog ich schon in hohem Bogen durch die Luft und landete sehr unsanft auf der Landeplattform.
Wütende Wedel umringten mich.
»Gewisse Formen des Anstands sind auch von Gästen zu bewahren. Es ist eine Ungeheuerlichkeit, die auch wir nicht tolerieren können. Bitte beehren Sie uns nie wieder!«
Und ehe ich es mich versah, stopfte man mich zurück in mein Raumschiff. Die Landeplattform tat auch irgendetwas, denn die Goldberg legte eine Art Katapultstart hin und ich hing einige Zeit hilflos von der Beschleunigung überrascht an der Decke.
Ich brauchte Tage, um auch das letzte rosa Staubkorn zu entsorgen. Von Gesellschaft hatte ich auch erstmal genug. Beim Bierbrauen überlegte ich, wer wohl auf Satoris V entspannte Urlaubstage verbringen möge. Mir kamen nur Spitzohren und traurige Mädchen in den Sinn.
Mein Großvater sagte immer, wenn ich ihn fragte, woher die kleinen Zwerge kämen:
»Nicht das Woher ist entscheidend, sondern das Wohin!«
Bei Grungni, ich verstand ihn.

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